Elektrisiert

Wie selten man heutzutage Damen zu Gesicht bekommt, die etwas auf ihre Weiblichkeit geben und hohe Absätze tragen! An einem zwar nicht heißen, aber sehr warmen, sonnigen Augusttag vor etwa vier Wochen begab ich mich in die nahe Großstadt. Ziel meines Besuches waren einzig und allein die in meiner Erwartung zahlreichen jungen Damen und Mädchen in hochhackigen Riemchensandaletten, die ihre sexy Füßchen mit rot pedikürten Zehnägelchen ausführten und zur Schau stellten. Meine Kamera lag während des etwa dreistündigen Ganges durch Fußgängerzonen, Bahnhofshalle und stadtbekannte, gern frequentierte Plätze immer auslösebereit in der Hand, um diese unwiederbringlichen Augenblicke für mich festzuhalten und mit den Freunden im fachspezifischen Forum zu teilen.

Wie soll ich diese etwas zähe, aber doch den gleichgesinnten Leser erwartungsfroh stimmende Einleitung kurz und schmerzlos zu einem Ende bringen? Ganz einfach: Trotz einer mit dem Zielpublikum geradezu überschwemmten, sonnendurchfluteten Innenstadt habe ich während der rund einhundertachtzig nervenaufreibenden Minuten meines Besuches nicht eine – ich wiederhole: nicht eine einzige Dame angetroffen, die High Heels mit zehn Zentimeter Stöckelabsatz (oder mehr) an den zarten Füßchen trug!

Ich war dermaßen enttäuscht, daß ich mich nicht einmal überwinden konnte, den nahen und beinahe stöckelschuhsicheren Flughafen aufzusuchen und im Anschluß dort mein Glück zu versuchen! Ich war einfach für diesen Tag völlig desillusioniert, und begab mich daher anschließend und auf direktem Wege nach Hause. Frustration – war es einfach nur Pech oder ein Spiegelbild dieser unfemininen Gesellschaft, in der die Mädels geradezu dazu erzogen werden, ihren flanschkuhähnlichen Müttern in Bekleidung und Körperpflege nachzueifern, und sich darauf zu konzentrieren, möglichst permanent in Crogs oder Turnschuhen herumzulaufen, da High Heels ja sowas von gesundheitsschädlich und eigentlich ja auch frauenfeindlich sind. Wie werden die armen Mädchen doch durchs Frau-sein zu Sex-Objekten degradiert! Eine Renaissance der Emma- und Schwarzer-Generation, die uns Männern und ebenso ihren Geschlechtsgenossinnen bereits vor vierzig Jahren mit ihren verqueren Gedankengängen auf die Nerven gegangen sind!

Tja – nur schade, wenn man mit dem Ablegen des Status des Sex-Objektes anschließend überhaupt keinen selbigen mehr hat! Beziehungsweise, die Herren sich beim Anblick der Ziegenfellsocken (selbstgestrickt), Birkenstockschlappen oder bestenfalls noch Schnallenschuh-tragenden potenziellen Grazien bitterlich weinend abwenden und sich zurücksehnen nach dem letzten Besuch solcher Länder und Kulturen, in denen einen das Klicken der Stöckelabsätze von morgens bis abends begleitet und keine Ruhe finden läßt!

Im Büro stellt sich die Situation merkwürdigerweise anders dar (womit nicht gesagt sein soll, daß an jenem Ort meinem Bedürfnis an attraktiven weiblichen Mitarbeiterinnen, die gleichzeitig einem Faible für High Heels frönen, in ausreichender Zahl Genüge geleistet würde): Als gäbe es eine Klausel in den Arbeitsverträgen, wonach hübsche Arbeitnehmerinnen zwar nach Gewinnmaximierung trachten, darüber hinaus jedoch bei der Ausübung dieser Primäraufgabe möglichst elektrisierend auf den Betrachter wirken sollen!

Glotzend am Fenster meines Büros in der zweiten Etage stehend beobachte ich einige  Augenweiden über den Parkplatz stöckeln, dem Raucherraum entgegen strebend. Keiner Konzentration fähig, wimmele ich Anrufer barsch ab, um mich ungestört dem Schauspiel widmen zu können. Welch elektrisierender Anblick, wenn die schöne Blonde aus der Rechtsabteilung ihre hohen Riemchensandaletten zu ihrem Kostümchen trägt, und dabei so sinnlich an ihrer Zigarette saugt, das Gift tief in ihren hübschen Körper inhalierend, daß ich mich in meinem Büro meiner Männlichkeit erinnere… In solchen Situation könnte man tatsächlich vergessen, zu welchem Zweck man sich eigentlich an diesem Orte eingefunden hat! Ich ertappe mich dabei, wie ich mich zwinge, zu warten, bis sie ihre Zigarette beendet hat, um anschließend wie ein Geistesgestörter ins Treppenhaus zu fliegen, das selbe herunterzustürzen, nur um die nach vollendetem Rauchgenuß das Gebäude wieder betretende Amazone auf ihren 11-cm-Riemchenheels aus nächster Nähe anzugaffen und unschuldsheuchelnd stoßweise einen „schönen Tag“ hervorzubringen!

Ja – derlei Episoden versüßen den Büroalltag und lassen Reminiszenzen an frustrierende Fuß- und Heelsforschungsreisen in deutsche Innenstädte verblassen.

Büro, ja, das Büro ist vermutlich eines der letzten Refugien der Weiblichkeit, der klassische Ort, an dem paarungswillige Geschlechter aufeinander treffen, der Zweck die Mittel heiligt und von daher viele junge Frauen Feminismus Feminismus sein lassen und sich morgens die Riemchen an den zartgehobelten und pedikürten Füßchen befestigen, wohl wissend, der Aufmerksamkeit der Herren gewiß zu sein. Wie kontraproduktiv sich doch der Anblick einer solchen Kollegin am Schreibtisch nebenan auf die Primäraufgabe auswirken muß, wenn sie ihre neueste Zalando-Errungenschaft – mit elegantem Hosenanzug kombiniert – zur Schau stellt!

Ich bin ja so gerne unproduktiv…

Büromaus

Jenny

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2 Kommentare zu “Elektrisiert

  1. zhgk3258 sagt:

    this shoe as smart as a new pin

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